Zweitjänner

Der Zweitjänner ist ein Jahrhunderte alter Brauch, der nur in der Gemeinde Sigriswil vorkommt. Ursprünglich diente dieser heidnische Brauch dazu, die bösen Geister zum Jahresanfang zu vertreiben. Später waren es wohl vorwiegend Bauernknechte, welche in der strengen Winterzeit Geld und Würste sammelten, um ein Fest zu feiern. Der Brauch war bei den Kirchen und vielen Bürgen ungern gesehen, weshalb dieser in den Geschichtsbüchern ignoriert wurde und keine Aufzeichnungen bestehen. Gemäss den Überlieferungen hat sich der Brauch im Laufe der Jahre kaum gewandelt.

Die jungen, ledigen Männer schliessen sich jeweils anfangs Dezember dorfweise zu Neujahrsgesellschaften zusammen. Am Silvester ziehen sie vor und nach Mitternacht mit Treicheln und Glocken durch das Dorf und läuten das alte Jahr aus und das neue Jahr ein. Diesen Teil des Brauchtums nennt man "glocknen". Wenn ein Mitglied der Neujahrgesellschaft heiratet und damit automatisch aus der Neujahrgesellschaft ausscheidet, oder eine junge Frau aus dem Dorf heiratet, so geht die Neujahrsgesellschaft ebenfalls gegen Mitternacht glocknen, was dem Ehepaar Glück bringt.

Am 2. Jänner ziehen die Neujahrer verkleidet von Haus zu Haus, begleitet von Lärm und Böllerschüssen. In den Häusern erhalten sie etwas zu trinken und essen, zum Teil singen sie oder haben Örgeler dabei und sammeln Würste und Geld. Dieser Teil ist traditionellerweise von Dorf zu Dorf verschieden. In Sigriswil findet jeweil ca. um 14.00 Uhr ein Umzug statt.  In Schwanden treffen die Neujahrer ca. um 10.00 Uhr im Dorf ein und in Aeschlen und Gunten um ca. 16.00 Uhr. In diesen Dörfern trifft man sich und es wird Unterhaltung, Musik und Getränke angeboten. Zudem werden in Sigriswil, Aeschlen und Schwanden Zeitungen verkauft mit einem Jahresrückblick in Dialektform, ähnlich den Schnitzelbänken. Am Abend treffen sich in Schwanden die Neujahrsgesellschaften Schwanden, Aeschlen und Tschingel zu einem grossen Fest mit Kostümwettbewerb, Tanz und Unterhaltung bis in die Morgenstunden. Auch in Merligen, Gunten und Sigriswil wird heftig gefestet.

Eine Woche später am "Jänner-Samschtig" laden die Burschen mit den gesammelten Würsten und dem gesammelten Geld die ledigen Mädchen aus dem Dorf ein zum gemeinsamen Abendessen und anschliessendem Tanz. Auch heute noch entstehen nicht selten bleibende Kontakte unter den Beteiligten.

Neujahrsgesellschaften der Gemeinde Sigriswil

Aeschlen, Endorf, Gunten, Merligen, Schwanden, Sigriswil, Tschingel, Wiler